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Der französische Onlinemarkt: Handbuch zum Erfolg

Der frz. Onlinemarkt wird 2017 eine erwartete Größe von 80 Milliarden € erreichen. Wer sich dort durchsetzen kann, wird erfolgreich. In diesem Beitrag sollen die Dos und Don‘ts angesprochen werden, für Firmen, die in Frankreich mit einem Onlineshop und AdWords Werbung präsent sein wollen.

Abb. 1: Umsätze des französischen Online-Markts in Tausend-EUR

Nur weniger Kilometer entfernt

Nach Frankreich können von Deutschland aus Bestellungen relativ schnell geliefert werden. In Bereichen, wo der blitzschnelle Versand ein sehr wichtiger USP sein sollte, sollte diese Tatsache jedoch berücksichtigt werden. Hat man in diesem Fall einen Nachteil gegenüber Konkurrenten?

Auf kulturelle Faktoren sollte sehr geachtet werden. In diesem Beitrag werden die häufigsten Fehler und Falschannahmen behandelt. Was in Deutschland üblich ist, kann in Frankreich fremd oder ungewöhnlich wirken.

Unbehagen im Laufe des Kaufprozesses führt zu schlechten Konversionsraten und hohen Kosten. Wenn Anzeigen unprofessionell verfasst oder übersetzt werden, wird die Klickrate niedrig sein. Auf der Website, dem Entscheidungsort, sollte sich der französische Nutzer wohl aufgehoben fühlen. Wie kann man das hinbekommen?

Man sollte die Sprache beherrschen

Franzosen lieben Ihre Sprache sehr, vermeiden Anglizismen systematisch und viele von Ihnen legen weiter einen großen Wert auf Rechtschreibung. Welcher Onlineshop die Sprache nicht richtig nutzt, wird schnell als unzuverlässig und nicht vertrauenswürdig eingestuft (Steht im Plural kein „S“ am Ende des Begriffes, fehlen die Kommas oder Punkte, eventuell auch in Zahlen) – so die Annahme. Übersetzungen mit Google Translate sind keine zuverlässigen, weil Grammatik, Satzstellung und insbesondere Kontext vom Tool nicht ganz berücksichtigt werden können. „Jetzt einkaufen“ wird von Translate im Englischen als „shopping now“ übersetzt, und nicht „Shop Now!“. „Shopping now“ ist im Englischen ein fehlerhafter Call-to-Action.

Abb. 2: Google Translate Übersetzung von „Jetzt einkaufen“ ins Englische

Englisch ist jedoch nur für gewisse B2B Kunden akzeptabel (z.B. B2B Software), zeugt jedoch von einem Mangel an Interesse an französischen Kunden. Die Absprungrate kann darauf deutlich hinweisen.

Und ein wenig mehr als die bloße Sprache: die Kultur berücksichtigen

Es ist schwierig Kultur als etwas Festes und Unveränderliches zu beschreiben und somit auch die richtigen Handlungsvorschläge zu geben. Es gibt aber allgemeine Regeln im interkulturellen Management und der Erstellung von AdWords Kampagnen und der Auswahl und Gestaltung relevanter Zielseiten, die man beachten sollte:

  • wie hat die französische Konkurrenz im französischen Markt seine Webseiten aufgesetzt? Wie werden die Preise z.B. angezeigt? Sind die Gütesiegel die gleichen wie in Deutschland?
  • seine spontanen Annahmen systematisch zu hinterfragen „So ist es hierzulande, also wird es dort auch irgendwie funktionieren“ ist die falsche Haltung. Leider ist sie sehr verbreitet.
  • mehr als die Sprache zu beherrschen, kann bedeuten, dass man Suchbegriffe genau analysiert und auch mehr USPs testet.

Wussten Sie z.B., dass man in Deutschland nach einem „Whirlpool“ sucht, während man in Frankreich vermehrt nach „Jacuzzi“ googelt? Der Keywordplanner hilft einem gewiss, solche Sachverhalte festzustellen. In der deutschsprachigen Schweiz wird mehr nach „Velo“ als nach „Fahrrad“ gesucht. Solche kulturellen Unterschiede, die uns aus dem deutschsprachigen Raum bekannt sind, wird es innerhalb der französischsprachigen Welt genauso geben. Wichtige französischsprachige Märkte sind Belgien, die Schweiz und Canada, sowie mehrere afrikanische Länder (Kamerun ist z.B. ein zweisprachiges Land, in dem Englisch und Französisch gesprochen wird).

Der französische Onlinemarkt

Es wurden 2016 mehr als 1 Milliarden Käufe online über 200 000 E-Commerce Webseiten getätigt. Im Durchschnitt haben Franzosen 28-mal online bestellt für einen Gesamtwert von 2 000€ im Jahr, Tendenz steigend. Der durchschnittliche Warenkorb ist gesunken, die Frequenz, mit der gekauft wird, zugleich gestiegen.

Bereits 2013 haben Franzosen zu 50% mindestens einmal im Monat online bestellt[1]. Wohlhabendere und jüngere Franzosen und diejenigen, mit einem höheren Bildungsabschluss, haben tendenziell mehr als einmal im Monat Online gekauft[2].

Wenn Wachstum, dann Frankreich – unter anderem

Schätzungen zum Gesamtumsatz des E-Commerce Marktes können variieren, jedoch nicht die Tatsache, dass der frz. Onlinemarkt der dritt wichtigste nach dem Vereinigten Königreich und Deutschland ist. Wie gut der britische Markt in den nächsten Jahren zu erreichen sein wird, ist noch unklar. Der Devisenkurs, der Pfund gegenüber dem Euro, wird die Kaufbereitschaft in der Zukunft stark beeinflussen. Wenn eine Firma oder ein Onlineshop international wachsen möchte, bietet Frankreich gute Voraussetzungen:

  • gleiche Währung
  • vernünftige Lieferzeiten und kurze Reisezeiten (zu Geschäftspartnern)
  • 62 Milliarden Umsatz im E-Commerce 2015 (Statista), die Schätzung für 2018 liegt bei 80 Milliarden
  • 120 000 Franzosen leben in Deutschland und können Ihnen helfen, Frankreich besser zu verstehen

Handlungsempfehlungen, die man sich merken sollte

Schlechte CTR in den frz. Kampagnen: Rechtschreibung und Qualität des Stils überprüfen lassen

Schlechte CVR: die beispielfirma.fr Website des Werbetreibenden wurde dem frz. Kunden nicht genügend angepasst.

Die ganz großen E-Commerce Webseiten

Auf Platz 1 steht, wie in Deutschland, Amazon. Anstelle von Otto gibt es in Frankreich einen Onlinesupermarkt names CDiscount[3] mit Handys, Computern und Elektronik – wie bei Saturn oder Mediamarkt in Deutschland – und zugleich Innen-, Außenaustattung und Deko – wie bei Obi oder anderen Baumärkten.

Abb. 4: Fünf größte Onlinehändler pro Land in der EU nach Umsatz

Auf der dritt größten Website, vente-privée.com, kann man nur nach Anmeldung zugreifen. Die Angebote sind sonst nicht ersichtlich. Das Konkurrenzumfeld verändert sich von Land zu Land und manche Eigenschaften der Marktführer ändern sich von Land zu Land: So wurde Amazon Pay in Deutschland früher ausgerollt[4,5].

 Globalisierung der Kultur

Wie McDonald‘s in Deutschland Burger verkauft, tut es der US Konzern genauso in Frankreich. Vieles, was kulturell gleich ist, kommt aus der amerikanischen bzw. aus der globalisierten Kultur. Black Friday und der Cyber Monday sind für Onlinekäufe der Höhepunkt des Jahres.

Weihnachten macht den November in beiden Ländern zu einem der umsatzstärksten des Jahres. Das Fest gibt es zwar länger als den Black Friday, aber seine große Bedeutung für Konsum ist relativ neu, wie der Weihnachtsmann von Coca Cola.

In den USA kam letztes Jahr mehr als die Hälfte des Traffics und 36% der Käufe[6] zum Black Friday und Cyber Monday von Tablets und Smartphones, Diese Entwicklung lässt sich in AdWords in Europa auch bestätigen.

Einzelheiten bleiben jedoch entscheidend

Ein französischer McDonald‘s wird sich doch in Einzelheiten von dem deutschen McDonald‘s unterscheiden. Gleich, aber doch irgendwie anders?

Das Angebot wird dem Geschmack angepasst. Es ist also unwahrscheinlich, dass ein deutsches Burgerangebot, wie der „Nurnburger“, auch in Frankreich zu finden sein wird.

Durch den Preis unterscheiden sich beide Länder auch: So kostet der BigMac in Frankreich 4,35€ und in Deutschland nur 3,79€. Besser schmecken wird er deswegen wohl kaum.

Es kann sein, dass man von Land zu Land nicht nur angepasste Produkte, sondern auch unterschiedliche Preise für die gleichen Produkte anbieten kann.

Und beim spanischen Modeunternehmen Desigual gibt es Camisas in Spanien für 59,95 €, und Chemises in Frankreich für 69,95 €.

Abb. 4: unterschiedlichen Preise auf den französischen und spanischen Domains des Mode Retailers Desigual

Deutsche dürfen den 10 € Aufpreis für Hemden gegenüber dem Heimatmarkt des Unternehmens auch zahlen[7].

Niedrigere Preise gefallen den meisten Käufern besser, jedoch können diese manchmal als das Zeichen für geringe Qualität gesehen werden. Die Haltung gegenüber Preisen muss von Land zu Land nicht die gleiche sein.

Fazit

Es kann sich schnell auszahlen in den französischen Onlinemarkt zu investieren, aber nicht ohne Vorbereitung. Wenn sich die Produkte aus kulturellen Gründen nicht grundsätzlich unterscheiden, wie z.B. Autoteile, muss hauptsächlich auf das Sortiment geachtet werden (den meist gekauften Autos entsprechend in diesem Fall). Wenn weniger BMWs gefahren werden, werden weniger Ersatzteile oder Motorenöle für diese bestimmte Marke gekauft.

Bei Übersetzungen und landspezifischen Anpassung sollte nicht zu stark gespart werden, weil sonst hauptsächlich CTR und CVR unter ihrem Potential bleiben werden.

Wenn auf der Website und in den AdWords-Kampagnen die verschiedenen länderspezifischen Besonderheiten berücksichtigt werden, können Fehlinvestitionen vermieden und der Export nach Frankreich durchaus lohnenswert werden.

Quellen: lemonde.frfr.statista.comde.statista.comfr.statista.com

 

David Bouillon

Veröffentlicht von David Bouillon

Alle unsere Mitarbeiter sind AdWords-Spezialisten und setzen sich täglich mit viel Engagement für unsere Kunden und ihre Ziele ein. Dieser Beitrag wurde von David verfasst. Für seine Kunden übernimmt er jeden Tag den Aufbau der AdWords-Konten und das gesamte Kampagnen Management.

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